Von Dr. Willi Mast

Der Abend war angefüllt mit hochinteressanten Informationen, die unsere Gäste zur Diskussion beisteuern konnten. Allerdings erbrachten erst die Verknüpfungen unterschiedlicher Beiträge einige Augenöffner:

Herr Köhler-Schnura von "Coordination gegen Bayer-Gefahren e.V." ging auf die Historie der Giftmüll-Verbrennung ein. Früher haben die großen Chemie-Unternehmen die eigenen chemischen Abfälle aus der Produktion selbst beseitigt in unternehmenseigenen Verbrennungsanlagen. Durch den Druck der Finanzwelt stand der Profit im Fordergrund und Firmen wurden in kleinere profitablere Einheiten zerschlagen. Die nun autark existierende Einheit "Müllverbrennungsanlage"musste nun wirtschaftlich arbeiten und verbrennt heute bis zu 30% "fremden" Giftmüll. Die hierdurch entstehenden Umweltbelastungen werden zwar in Zahlen vom Umweltministerium veröffentlicht, wie sich allerdings erst später herausstellte, durch einen Tippfehler um die Einheit 100 zu niedrig. Zum Beispiel rieseln tatsächlich 20 Tonnen kontaminierte Feinstäube jährlich auf Dormagen nieder. Auch andere Gefahren der Müllverbrennung seien nicht zu unterschätzen, so sei die Müllverbrennungsanlage in Leverkusen bereits zweimal explodiert.

 

Bericht zur Podiumsdiskussion "Widerstand gegen globale Giftmüllverbrennung" am 15.03.07, veranstaltet von AUF-Gelsenkirchen

An dieser Stelle ging Sabine Leopold, Ratsfrau für AUF-Herten auf den Transport des Mülls ein und berichtete, dass es im letzten Jahr in NRW 160 Unfälle mit Giftmülltransporten gegeben habe. Unbekannt war den Zuhörern auch, dass die Luftmessstation in der unmittelbaren Nähe der Verbrennungsanlage in Herten, für die das Landesumweltamt verantwortlich ist, abgebaut worden ist. Zwischenrufe aus dem Publikum ließen auf Gedankengänge über Politikfilz und Wirtschaft zuungunsten der Bürgergesundheit schließen. Zum Thema "Giftmüll" erklärt Frau Leopold, dass Hexachlorbenzol (HCB) seit 1981 verboten ist; trotzdem sollen in Dormagen, Herten und Leverkusen 22.000 Tonnen verbrannt werden. Auch ist zu bedenken, dass mit den giftigen Verbrennungsrückständen, Schlacke usw., Bergwerksstollen verfüllt werden. Das heißt, über das Grundwasser wird uns dieses Gift früher oder später wieder einholen.

Dr. Mast nahm diesen Faden auf und ging auf die Gesundheitsgefährdung durch Müllverbrennung im Allgemeinen und durch HCB im Besonderen ein:

Nach Beschreibung des Aufbaus eines Benzolrings weist er nachdrücklich darauf hin, dass bei der Verbrennung von HCB Dioxine entstehen, die in geringsten Konzentrationen erbgut- und immunschädigend, krebsauslösend und/oder auch hormonell schädigend wirken können. Die hochtoxischen Verbrennungsrückstände in den Filtern und Schlacke werden oftmals unter weitgehend unkontrollierten Bedingungen von kleineren Firmen "entsorgt", so dass sie früher oder später wieder das Wasser, den Boden oder die Luft belasten. Von den Giftstoffen abgesehen kommt es durch die Industrie und Müllverbrennung ebenfalls zu einer hohen Feinstaubemission. Noch jung ist die Forschung zu den gesundheitlichen Folgen der "Feinst"-Staubemissionen; erwiesen ist aber, dass die Partikelgröße im Nano-Bereich über die Lunge direkt vom Blut aufgenommen wird. Bezüglich der Umweltbelastung durch Stäube sind Straßensperrungen und Fahrverbote völlig untauglich. Da die Industrie bei diesem Thema völlig außen vor gelassen wird, wird das Übel auch nicht bei der Wurzel gepackt. Bisher vernachlässigtes Problem ist auch, dass in Rauchgasen immer noch nicht erforschte chemische Verbindungen enthalten sind und Unbekanntes kann man nicht messen.

Als umweltfreundliche Alternative erklärt Heinrich Breuckmann das Verfahren des Kryo-Recyclings, wodurch Kunststoffe in den Kreislauf zurückgeführt werden können, ähnlich wie es heute bereits bei Glas der Fall ist.

Herr Moellers, als Ingenieur zuständig für das Biomasseheizkraftwerk am Großmarkt, erläutert die Möglichkeit der Entsorgung von Biomüll und erklärt dafür geeignete Filteranlagen.

Im Anschluss an die Informationen kommt es zu einer regen Diskussion und Fragen aus dem Publikum, wobei der Schwerpunkt auf die Verbrennungsrückstände und Feinstaub liegt. Herr Köhler-Schnura berichtete in diesem Zusammenhang, dass die australische Firma, die den HCB-Müll verursacht und loswerden möchte, unlängst erklärt habe, sie könne den Müll nicht in Australien entsorgen, weil dort der Widerstand aus der Bevölkerung zu groß ist. Das heißt im Umkehrschluss, wir bekommen hier nur das, was wir verdienen, wenn wir uns nicht wehren.

 

 

Zu Fragen und Anregungen zum Thema Umwelt, Giftmüll, Müllverbrennung, usw. stehe ich gerne zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie mich über das AUF-Büro Ringstr. 71, 45879 Gelsenkirchen, Tel: 0209/1779022, Fax: 0209/3896555, e-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Willi Mast

(Mitglied im Umweltausschuss)

 

 

Interessante Links im Internet:

Umweltbericht NRW -> http://www.lanuv.nrw.de/ubweb/start.htm

Deutsche Übersetzung des Stockholmer Übereinkommens, mit dem am 17.05.04 neun langlebige organische Schadstoffe, unter anderem HCB, verboten wurden -> http://www.bmu.de/chemikalien/pop-konvention/doc/2176.php

Die Basler Konvention ist ein Rechtswerk, das die "Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung (mit Anlagen)" regeln soll -> http://www.admin.ch/ch/d/sr/c0_814_05.html

Coordination gegen BAYER-Gefahren -> http://www.cbgnetwork.org/1.html

Bürgerbewegung für Kryo-Recycling und Kreislaufwirtschaft e.V. -> http://www.total-recycling.org/de/

In Sachen Giftmüll immer auf dem Laufenden ist Pro-Herten -> http://www.pro-herten.de/

Kommunalwahlbündnis AUF-Herten -> http://www.auf-herten.de/frame.htm