Wieder aufgeflackert ist die Diskussion um Giftmüllimporte aus Australien in die RZR-Müllverbrennungsanlage in Herten. Die aktuellen Nachrichten über Anzeigen wegen Bilanzfälschungen, Krediterschleichung und Veruntreuung von Steuergeldern gegen die AGR - Betreiber der Anlage in Herten - lassen die Giftmüll-Diskussion in einem anderen Licht erscheinen.

"Wenn tatsächlich - wie in der Presse angekündigt - der Insolvenzverwalter der Tochterfirma Brochier eine Forderung von 38 Mio. Euro an die AGR stellt, benötigt die AGR dringend Geld. Soll dies nun doch durch die Verbrennung australischen Giftmülls beschafft werden? Dass die AGR trotz großer Proteste an dem Import von hochgiftigem australischem HCB-Müll festhält, legt diesen Schluss nahe", stellt Dr. Willi Mast, Mitglied im Umweltausschuss für Die Linke.PDS/AUF fest.

Giftmüll als Heilmittel gegen eine Pleite??

"Völlig unglaubwürdig ist auch die Haltung der Landesregierung NRW, für die "keine rechtssicheren Gründe" für eine Ablehnung der Giftmülleinfuhr bestanden. Wie ist es mit der Sicherheit und dem Schutz der eigenen Bevölkerung bestellt, wenn wachsende Mengen von Giftmüll aus der ganzen Welt insbesondere ins Ruhrgebiet angekarrt und verbrannt werden? Die Fracht eines einzigen HCB-Containers wäre ausreichend für eine Großkatastrophe. Wir denken an versenkte Container im Rhein vor wenigen Wochen..."

Natürlich müsse hier auch die Frage der öffentlichen Kontrolle der AGR gestellt werden, die unter der Regie des Regionalverbands Ruhr betrieben wird. Das Giftmüll-Problem sei ohnehin nur entstanden aufgrund des profitträchtigen Ausbaus der Müllverbrennung - ohne darüber nachzudenken, dass in NRW Menschen gesund leben wollen. Höchste Zeit, um endlich ernsthaft über Alternativen zur Müllentsorgung zu diskutieren, unabhängig davon, ob für die Energie- und Müllkonzerne damit wenig zu verdienen wäre.

Willi Mast