Seit Jahren häufen sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die massiven gesundheitlichen Gefährdungen durch Feinstäube:

  • So zeigt eine Untersuchung an 65 000 Frauen in US-Ballungsgebieten, dass jeder Zuwachs an Belastung durch Feinstaub um 10 ug/m3 das Risiko eines Herz-Kreislaufereignisses um 24 % erhöht und das Risiko eines Herz-Kreislauftods sogar um 76 %) (K.A. Miller et al, N Engl. J Med. 2007, 356: 447-458)
  • Eine britisch-schwedische Studie wies an 20 Probanten nach, dass sich unter Belastung mit Dieselabgasen dreifach mehr Herzdurchblutungsstörungen im EKG feststellen ließen.
  • Eine Studie an 4800 Frauen in NRW von 2002-2005 zeigte die Bedeutung von Feinstaubbelastung in der Nähe von viel befahrenen Straßen: Bei einem Abstand von 50 m war die Mortalität um 70 % erhöht. (Gering U. et al: Epi-demiology 17 (2006)
  • Ein niederländischer Wissenschaftler wies in einer 30-min-Experiment an 10 Freiwilligen bei Dieselrussexposition anhaltende Stresszeichen im Gehirn (EEG) nach. Es werden also die Hirnfunktion und Informationsverarbeitung bereits bei "normal herrschenden" Verkehrsverhältnissen beeinträchtigt (Med.Tribune 4.4.08)
  • Das GFS-Forschungszentrum in Neuherberg b. München bestätigte frühere US-Studien, die nachweisen, dass Feinstaub das Geburtsgewicht bei Kindern verringert (ÄZ 29.6.07)
  • Eine britische Studie weis nach, dass die Lungenfunktion von Kindern stark von Feinstoffpartikeln in den Abwehrzellen (Makrophagen) der Atemwege ab-hängig ist . Nicht geklärt ist, warum sich trotz der z. T. sinkenden Werte von Stickoxyden, Ozon und Feinstaub die Atemwegsprobleme mehren. Vermutet wird, dass das mit den ultrafeinen Partikeln zusammenhängt, die tief in die Lunge eindringen. Diese werden bei den heute üblichen Messungen nicht berücksichtigt. Immer mehr Schulen, Wohnhäuser entstehen in Gebieten mit viel Industrie und Verkehr (Kulkarni et al, N Engl J Med. 355 (2006)
  • In einer Frankfurter Innenstadtschule wurde im Mittel ein Feinstaubbelastung von 69 ug/m3 nachgewiesen, gegenüber 44 ug/m3 in der Außenluft. Außerdem wurden sehr hohe CO2-Konzentrationen gemessen, die knapp un-ter dem Grenzwert der max. Arbeitsplatzkonzsentration (MAK) liegen. Es wur-de auch nachgewiesen, dass sich auch die gründliche Reinigung der Klassen-räume auf die Feinstaubbelastung auswirkt. Man muss also bei Konzentrationsprobleme der Schüler auch Luftbelastung denken (Med. Tribune 18.8.06)
  • US-Mediziner haben nachgewiesen, dass Feinstaub in der Kombination mit LDL-Cholesterin die Entzündung bei arteriosklerotischen Gefäßen anheizt. Offensichtlich spielen dabei die hochreaktiven "freien Radikalen", die vom Feinstaub in den Körper eingeschleppt werden, die entscheidende Rolle (Ge-nome Biology daoi; 10.1186/gb-2007)
  • "Nach einer aktuellen Studie der EU-Kommission sind 75 000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland auf Herz- und Kreislauf- sowie auf Lungenerkrankungen zurückzuführen, die durch Luftverschmutzung ausgelöst oder zumindest gefördert wurden" (zit. nach Prof. Witt/Charité/Berlin 7/06)
  • Die WHO kritisiert, dass die Feinstaub-Grenzwerte in Europa zu hoch sind. Demnach sollten 20 ug/m3 nicht überschritten werden (zur Zeit 40ug), bei den Feinststäuben (PM <2,5) sollte der Jahresmittelwert nicht über 10 ug/m3 liegen. Die europäischen Lungenärzte kritisieren auf ihrem Kongreß, dass mit den europäischen Vorschlägen, nach denen ein Tagesgrenzwert wegfallen soll, der Umweltschutz noch verwässert wird. Mit der Einführung durch Durchsetzung eines Grenzwerts (PM 2,5 um) von 25 ug/m3 könnten pro Jahr in Europa 4500 Leben gerettet werden. Bei dem US-Grenzwert von 15 würden 13 300 Leben gerettet. Gefordert wird u.a., dass umgehend alle Dieselfahrzeuge mit einem Partikelfilter ausgerüstet werden. (ÄZ 11.9.06)
 
Konsequenzen:
Die Einrichtung von Umweltzonen wird an der augenblicklichen Situation allenfalls marginal etwas verändern und ist eher ein Alibi-Projekt. Erforderlich ist stattdessen,
  • das Verkehrsaufkommen durch eine Wende in der Verkehrspolitik insgesamt zu reduzieren (50 % Emissionen von Güterverkehr!)
  • Da der Straßenverkehr den kleineren Teil der Gesamtemissionen an Fein-staub ausmacht, muss perspektivisch weitgehend auf Verbrennungsprozesse verzichtet werden. D.h. Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft. Entscheidende Schritte auf diesem Weg ist der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energie also Verzicht auf die Verbrennung von fossilen Energieträger und das Verbot der Müllverbrennung durch Aufbau eines vollständigen Recyclings. Schlüsseltechnologien dabei ist das Kryo-Recycling nach Prof. Rosin für Plastik-, Elekt-ronik und Altreifen-Abfälle und die flächendeckende Verwertung von Bioabfällen nach dem IMK-Verfahren (integrierte Methanisierung und Kompostierung)
  • Forschungsbedarf besteht insgesamt noch bei der besonderen Bedeutung von ultrafeinen Stäuben und Nanopartikel (< 0,1 um), die auf Grund der modernen Filtertechnik wachsende Bedeutung haben, insbesondere auch für neurotoxische und immunologische Erkrankungen (z.B. Alzheimer, MS etc.) Bei früheren Messungen standen dagegen die Massenkonzentration an Feinstäuben bis zu einer Größe von 10 bzw. 2,5 um im Mittelpunkt.  
  • Entscheidend ist, durch massiven öffentlichen Druck eine wirkliche Wende in der Verkehrs-, Energie- und Müllpolitik durchzusetzen - gegen den massiven Widerstand vor allem der mächtigen internationalen Energie-Monopole, die zusammen mit den Regierungen der imperialistischen Länder auch die Hauptverantwortung tragen für das ungebremste Fortschreiten der Klimazerstörung - die die Weiterexistenz unserer menschlichen Existenz unmittelbar bedroht. Bereits heute belaufen sich die Gesamt-Schäden der Klimazerstörung im Bereich von Billionen Dollar/Jahr. Für das Jahr 2040 wird mit 40 Billionen gerechnet. Bleibt die Frage: Wie lange kann sich die Menschheit das herrschende kapitalistische Wirtschaftssystem noch leisten?
Feinstaub aktuell



Kritik am Luftreinhalteplan NRW  vom 06. Mai 08

Eines kann man zu dem vorliegenden Luftreinhalteplan bereits heute sagen:
Er wird nicht zu dem erklärten Ziel einer nachhaltigen Luftreinhaltung führen. Unsere Kritik ist grundsätzlich und bezieht sich auf folgende Punkte.:
  1. Eine Stellungnahme des BUND und NABU vom 4. Januar kritisiert völlig zurecht: Der vorliegende Luftreinhalteplan bezieht sich einseitig auf den Verkehr und vermeidet verbindliche Aussagen zu den Staub-Emissionen aus der Industrie, Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen - obwohl diese ca. 80 % der Emissionen an Feinstaub und Stickoxyden verursachen. Und obwohl bei vielen dieser Anlagen die Altanlagen-Fristen abgelaufen sind. Das entspricht voll und ganz der herrschenden Umweltpolitik: Man macht einen Kniefall vor den Konzerninteressen. Die industriellen Hauptverschmutzern bekommen milliardenschwere Verschmutzungsrechte geschenkt. Die Bevölkerung wird mit Umweltsteuern belastet.
  2. Wir meinen: Entsprechend dem Verursacher-Prinzip muss Luftreinhaltung bei den Hauptverursachern beginnen. Statt mit zahlreichen neuen Großkraftwerken neue Emissionsquellen zu schaffen und das Klima weiter anzuheizen, brauchen wir alternative Energiegewinnung und dezentrale Heizkraftwerke.
  3. Statt mit Müll- und Giftmüllimporten aus der ganzen Welt das Land noch mehr mit hochtoxischen Feinstäuben zu belasten und mit den Unter-Tage-Deponien eine Zeitbombe für künftige Generationen zu schaffen, muss endlich Ernst gemacht werden mit dem Ausbau einer wirklichen Kreislaufwirtschaft und mit der praktischen Erprobung der alternativen Kryo-Recycling-Technik - womit auch zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen könnten.
  4. Wir begrüßen es natürlich, wenn sich die Fraktionen der SPD und Grünen gegen die unsinnigen kleinräumigen Umweltzonen des NRW-Umwelt-Ministeriums gewehrt haben. Aber auch bei den jetzt festgelegten größeren Umweltzonen wird es schwer sein, die Bürger von ihrer Sinnhaftigkeit zu überzeugen, zumal sie den nördlichen Bereich Gelsenkirchens ausschließen - dort wo mehr als 80 % der Emissionen anfallen. Eine sinnlose bürokratische Maßnahme mit minimalem Nutzeffekt!
  5. Betroffen sind ohnehin meist sozial schwächere Bevölkerungsgruppen und kleinere Unternehmen, die sich neuere Kraftfahrzeuge kaum leisten können.

Facit: Die herrschende Verkehrspolitik sorgt dafür, dass noch mehr Güter- und Individualverkehr über die Straßen rollt -und für einen wachsenden Feinstaubausstoß aus dem Verkehr sorgt. Umweltzone sind deshalb nichts als sinnlose kosmetische Maßnahmen.
Auch wenn manche Einzelmaßnahmen in diesem Luftreinhalteplan sinnvoll sind - das vorliegende Gesamtkonzept muss abgelehnt werden. Eine wirkliche Wende in der Energie- Müll- und Verkehrspolitik muss durch die Bevölkerung durch Druck von unten durchgesetzt werden.

Kritik Luftreinhalteplan