• Insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass es mit der vorliegenden ersten Evaluation des LRP in NRW erstmals flächendeckend möglich ist, zwei Leitsubstanzen (NOx und Feinstaub PM10) der Luftverschmutzung mit Gesundheitsdaten zu korrelieren. Die Bedeutung von Luftschadstoffen für Krankheitsanfälligkeit und vorzeitige Mortalität ist durch zahlreich internationale Studien hinreichend belegt. Sie wird bereits anhand einer Zahl von 60 000 vorzeitiger Todesfälle in der BRD – allein auf Grund von Dieselabgasen! – deutlich.

  • In der vorliegenden Studie der Landesregierung wird ein weiteres Mal deutlich, dass insbesondere im Ruhrgebiet nur ein kleiner Teil der Schadstoffe (ca. 10 %) und auch bei NOx (ca. 30%) aus verkehrsbedingten Emissionen stammt. Das bestätigt die Kritik von Umweltverbänden (und auch AUF im Umweltausschuss) an der gesamten Konzeption des LRP NRW: Verbindliche Vorgaben zur Verminderung der industriellen Emissionen fehlen. Und statt struktureller Veränderungen zur Reduzierung des Individualverkehrs und des Güterverkehrs, insbesondere im Ruhrgebiet, wird mit der Einrichtung von Umweltzonen ein teures und weitgehend nutzloses Alibi-Projekt gestartet. Durch schärfere Abgasnormen des TÜV hätte man das einfacher haben können.

 

  • Auch die Methode des LRP muss kritisch hinterfragt werden. Feinstäube werden nur bis zu einer Partikelgröße von 10 um erfasst. Nach Einführung der Filtertechnik spielen diese aber praktisch eine immer geringere Rolle. Zahlreiche prominente Wissenschaftler weisen darauf hin: Feinststäube mit PM > 0,1 um und Nanopartikel vor allem aus Industrie- und Müllverbrennungsanlagen und sind aber entscheidend u.a. für Herz-Kreislaufkrankheite, entzündliche und neurotoxische Prozesse - und für die stark anwachsende Krebsinzidenz. Das wird im LRP und in der vorliegenden Studie ignoriert.

  • Ebenso ausgeklammert wird der enge Zusammenhang von Luftverschmutzung und Klimazerstörung. Kosmetische Korrekturen sind aber kein Ersatz für nachhaltige Luftreinhaltung und Klimaschutz. Es geht nur mit strukturellen Änderungen: genereller Abbau und Vermeidung von Verbrennungsprozessen und Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft. Erste Schritte dabei sind
  • Ein völliger Ausstieg aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern – statt milliardenschwerer Neubau von Kohlekraftwerken im ohnehin hochbelasteten Ruhrgebiet –
  • der Ausstieg aus der Müllverbrennung als eine Hauptquelle von Feinstäuben mit Umstellung auf Recyclingtechniken wie der Kryorecycling für Plastik- und Elektronikschritt und dem IMK-Verfahren für Bioabfälle
  • und ein ökologischer Umbau unseres Verkehrssystems

 


Unsere Hauptkritik am LRP der Landesregierung: Sie ist technokratisch ausgerichtet und wird deshalb auch nicht zur einer nachhaltigen Luftreinhaltung-, Klima- und Gesundheitsschutz beitragen. Und auch nicht zu dem dringend erforderlichen ökologischen Umbau, mit dem zahlreiche neue Arbeitsplätze in den Kommunen entstehen können.