Alles prima oder was? Auf den ersten Blick vermittelt die aktuelle Arbeitslosenstatistik für Gelsenkirchen den Eindruck, als wäre alles prima: von einem leichten Rückgang der Arbeitslosen ist die Rede und neuen offenen Stellen. Fakt ist jedoch, dass im März 2014 49.723 Gelsenkirchener real arbeitslos oder unterbeschäftigt waren.

„Ob von den Verantwortlichen nach der Übernahme der Gewürzmanufaktur Fortkamp & Wiegers mit den öffentlichen Geldern verantwortungsbewusst umgegangen wurde, muss aufgeklärt werden“, das ist die Meinung von Anton Lenz, sachkundiger Einwohner von AUF im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften.

Nach den bisher vorliegenden Informationen stelle sich seiner Meinung nach die Frage, ob die Insolvenz durch Inkompetenz oder Unregelmäßigkeiten verursacht wurde. Auch ein möglicher Zusammenhang zur Gefährdung weiterer Arbeitsplätze in Behinderteneinrichtungen des Werkvereins, insbesondere Hof Holz, sei aufzuklären. AUF hat beantragt, das Thema im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften am 6.2. zu behandeln; es wurde in den nichtöffentlichen Teil aufgenommen.

"Der gewerkschaftliche 1. Mai 2013 in Gelsenkirchen entsprach dem Wetter: fröhlich, kämpferisch, überparteilich. Vor allem der nun schon traditionelle Auftakt am Musiktheater in der Bandbreite von Religion bis Revolution war ebenso gelungen wie die kämpferische Demonstration.
Auch auf der Kundgebung kämpferische Stimmung – eingetrübt nur durch den peinlichen Versuch verschiedener Redner, den 1. Mai zur Wahlkampfveranstaltung für die SPD zu missbrauchen.

Ein mutiger Schritt und ein ermutigendes Signal für die ganze Region ist der selbständige Streik, zu dem die Kollegen von Opel Bochum sich entschlossen haben. Und das trotz Dauerbeschuss durch die Geschäftsführung, trotz Gegenwind und Abgesang der Politiker der etablierten Parteien und Gewerkschaftsspitze! Euer Widerstand und der selbständige Streik Anfang der Woche verdient deshalb die volle Unterstützung des ganzen Ruhrgebiets. “ So heißt es in der Solidaritätsadresse von AUF an die OPEL-Belegschaft.

Bei Nokia und vielen anderen Betrieben haben die Belegschaften hinreichende und bittere Erfahrungen gemacht, was von Transfer- und Beschäftigungsgesellschaften zu erwarten ist: für tausende OPEL-Kollegen ein Übergang in die Arbeitslosigkeit, die auch zig-tausenden Kollegen in der Zulieferindustrie droht.

Die Kollegen von Opel Bochum haben in vielen Diskussionen und mit einer großen mehrheitlichen Abstimmung für ihre Arbeitsplätze, gegen die Werksschließung und den Knebelvertrag gestimmt. Das findet unter vielen Gewerkschaftskollegen, auch hier in Gelsenkirchen, große Anerkennung. Dass sie nun schuld sein sollen an der Tragik, dass 2014 Schluss sein soll, Grundton in vielen Berichterstattungen, ist Diffamierung und Meinungsmache. Wer erpresst denn die Werke, die Kollegen oder GM? Kollegen sagen stolz, dass sie sich der Erpressung nicht gebeugt haben und wieder mit NEIN stimmen würden. Das ist ein anderer Ton, als die stillschweigende Akzeptanz, dass 40.000 Arbeitsplätze für die Zukunft der Jugend wegfallen. Das ist auch meine Kritik am Abgesang, der unter anderem auch ein falscher Ton in der Solidaritätserklärung des Rates im Dezember 2012 war: statt der Ermutigung an die Betroffenen zum Kampf um jeden Arbeitsplatz enthielt er nur laue Appelle an die Fürsorgepflicht genau jenes Konzern, der so menschenverachtend das Werk schließen will. Wir sollten mit aller zur Verfügung stehenden Kraft gegen die Werksschließung aktiv werden und sie nicht schon im voraus akzeptieren.