Auf Gelsenkirchen und Flüchtlingsberatung protestiert

In der Nacht zum 18. Oktober holte die Polizei zwei Familien aus der städtischen Flüchtlingsunterkunft in der Katernberger Straße ab – drei Frauen und sechs Kinder -, um sie nach Albanien abzuschieben. Wir – das Team von der Flüchtlingsberatung und von AUF Gelsenkirchen – sind hell empört und protestieren entschieden gegen diese Nacht- und Nebelaktion, die auch andere Bewohner in Angst und Schrecken versetzte. Bereits am 8. September hat die Montagsdemo in einem Brief an die Ausländerbehörde Gelsenkirchen gegen diese geplante Abschiebung protestiert:

170717 Montagsdemo

Dafür setzte die Montagsdemo am 10.7.2017 mit über 150 TeilnehmerInnen und Zuhörern ein vielseitiges, lebendiges, Aufmerksamkeit erregendes Zeichen des Widerstands. Auch die WAZ berichtete.

Für eine demokratische Flüchtlings- und Asylpolitik. Gegen die ansteigende Welle der Abschiebungen, die auch in unserer Stadt bittere Wirklichkeit sind. Betroffen sind Menschen, die für die Fluchtursachen nicht verantwortlich sind. Im Gegensatz zu den imperialistischen Länder, deren Vertreter beim G 20 Gipfel zusammen kamen, die Kriege führen u.a. in Afghanistan, Irak und Syrien. Länder, aus denen viele Flüchtlinge kommen, und die jetzt als sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ hingestellt werden.

Wir werden alles dafür tun, damit sich noch viel mehr Menschen in unserer Stadt mit einsetzen: für eine demokratische Flüchtlingspolitik, für die Solidarität mit den von Abschiebung bedrohten Menschen.

AUF und Flüchtlinge erörterten Fortschritte und Kritikpunkte mit Stadtverwaltung

Am 24.1.2017 fand auf Initiative von AUF Gelsenkirchen und der Flüchtlingsinitiative ein zweites Beratungstreffen statt mit leitenden Vertretern des Rechtsdezernates und des Ausländeramtes. In sachlicher und produktiver Debatte kam zur Sprache, welche Fortschritte, aber auch welche anhaltenden Probleme sich an der Ausländerbehörde Gelsenkirchen entwickelt haben. Vertreten waren als Delegierte der Flüchtlingsinitiative Mohamed Ayman Al-Homsi, Admir Lala und Samih Almasri, für AUF Gelsenkirchen die Stadtverordnete Monika Gärtner-Engel und Martina Reichmann.

Einerseits zeigen sich erkennbare Fortschritte der offenen Kommunikation wie u.a. die verschwundenen Schlangen vor dem Ausländeramt, bei vielen Einzelfällen konnten aufgrund des Engagements der Mitarbeiter der Ausländerbehörde im Dialog Lösungen gefunden werden.

Bei allen guten Entwicklungen bestehen dennoch weiter dramatische Probleme: Hauptsächlicher Kritikpunkt ist die Tatsache, dass die Flüchtlinge nach endloser Wartezeit auf einen Termin (bis zu 9 Monate!) in den überwiegenden Fällen unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt werden, und sie bekommen oft erst Monate später den nächsten Termin. „Die meisten Gebete werden vor der Ausländerbehörde ausgesprochen“, so Ayman Al Homsi, „lass diesmal alles gut gehen ...“

IMG 4834 Unterschriftenuebegabe

Dolmetscher am Sozialamt bzw. der Ausländerbehörde - für diese Forderung hat eine Unterschriftensammlung von Flüchtlingen Rückenwind gegeben. Über 350 Unterschriften nahm der Sozial dezernent Hr. Wolterhoff entgegen. Die WAZ berichtete ...

Die reaktionäre Ausländerpolitik der Bundesregierung bringt viele Flüchtlinge in Not und stößt auf zunehmenden Protest. Einer von ihnen, der akut von Abschiebung bedroht ist, Ammar, kommt aus Syrien. Sein Eilantrag auf aufschiebende Wirkung der Abschiebung nach Kroatien, eingebracht durch seinen Anwalt, wurde abgelehnt! Das ist nicht hinzunehmen und fordert uns auf, aktiv zu werden. Ammar floh vor Krieg und Verfolgung. Wir sehen nicht tatenlos zu, wenn jemand jetzt re-traumatisiert und ins Umgewisse geschickt wird, der so wertvolle Schritte gemacht, hier "anzukommen", der Freunde gewonnen hat und soziale Aktivitäten unterstützt. Das ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte! Es geht um das Leben und die Zukunftsperspektive eines jungen Menschen, stellvertretend für Tausende andere. Dafür kämpft der Freundeskreis „AMMAR soll bleiben!“, der sich für das Bleiberecht von Ammar einsetzt und gegen diese anlaufende Abschiebungswelle gegen Flüchtlinge Position bezieht.

Wir verweisen auf die online-petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, initiiert vom Jugendverband REBELL in Gelsenkirchen, die bisher von 209 UnterzeichnerInnen unterzeichnet wurde und weitere Untersützung braucht: https://www.openpetition.de/petition/online/unser-freund-ammar-soll-bleiben