Verabschiedeter Solidaritätsbrief am 25.11.2017 am Tag gegen Gewalt an Frauen von 30 Teilnehmerinnen

Die Zahl der Geburtshilfestationen in NRW-Krankenhäusern ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Zurzeit gibt es landesweit noch 150 entsprechende Abteilungen. Dabei nimmt die Zahl der Neugeborenen zu - allein 2014 kamen 23000 Säuglinge mehr zur Welt als 2015 mit 738.000. Hier in Gelsenkirchen und unseren Nachbarstädten erleben wir bei steigenden Geburtenzahlen die Schließung von Kreißsälen „ aus wirtschaftlichen Gründen“: St. Josef, St. Barbera in Gladbeck, nun zu Ende des Jahres im EVK.

Und während Jubelartikel über die hohen  Entbindungszahlen in den Marienhospitälern in Buer und Ückendorf in den Medien zu lesen waren, werden für die Mütter die Möglichkeiten der freien Wahl immer mehr eingeschränkt. Seit 2014 schließt fast jeden Monat ein Kreißsaal ganz oder vorübergehend die Türen.
 Eine Geburt bedeutet schließlich große körperliche und seelische Veränderungen für Frauen und Familien. Dabei stehen ihnen Hebammen über die Geburt hinaus zur Seite. Neben medizinischen Fragen helfen sie Müttern, in ihre Rolle hineinzuwachsen. Dadurch entsteht eine besondere Vertrauensposition, die aber bei einer Massenabfertigung - überspitzt gesagt - in einigen wenigen Kreißsälen kaum noch möglich ist. Die Rate der Kaiserschnitte ist enorm gestiegen, eine normale Geburt erfordert oft zuviel Zeit für die sog. „ Wirtschaftlichkeit“, die die Leitungen der Krankenhäuser beachten müssen. Dabei sollte der Kaiserschnitt nur im „Notfall“ angewendet werden.  Ein Gesundheitswesen, das den Notfall zum Nomalfall macht aus wirtschaftlichen Gründen  durch die Landesregierung.
Wir freuen uns, das die Säuglingssterblichkeit in unserer Region gesunken ist, eben weil Hebammen und Ärzte die Frauen und Babys gut versorgen können. Die Stadt Gelsenkirchen hat einiges erfolgreich unternommen, Mütter und ihre Babys zu unterstützen.
Deshalb prostestieren wir hier gegen die Schließung der Kreißsäle und die Entlassungen von Hebammen – ob in Gelsenkirchen oder Gladbeck! Auch das ist Gewalt gegen Frauen!
Wir Frauen wollen selbstbestimmt statt fremdbestimmt gebären können, mit einer Begleitung ohne Zeitdruck beim Geburtsvorgang. Und für ihre verantwortungsvolle Arbeit müssen mehr Hebammenstellen in den Krankenhäusern eingerichtet werden!