Mast ist sachkundiger Einwohner von AUF Gelsenkirchen im Umweltausschuss.

willi mast web KopieDie Verbrennungsprozesse bei der Abfackelung sind alles andere als rückstandsfrei und unproblematisch. Im Gegenteil - es werden dabei zahlreiche Kohlenwasserstoffe frei, die die Umwelt und den Menschen belasten. Ohnehin gibt es immer wieder erhöhte Benzolaustritte aus der Raffinerie in Scholven, was die Anwohner zurecht beunruhigt. Auch um die Benzolemissionen zu senken, müssen Abfackelungen soweit wie möglich vermieden werden. Benzol ist krebserregend. Im Umfeld der BP wurden Monatsmittelwerte von bis zu 12 μg gemessen bei einem Jahresmittel-Grenzwert von 5 μg. Dabei ist bemerkenswert, dass die Messungen in der Umgebung der Anlage erst erfolgten, als der Druck aus der Bevölkerung zunahm. Weder das LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen), geschweige denn die BP selbst hatten von sich aus die zum Teil drastisch erhöhten Benzolwerte bekannt gemacht. Soviel zum Thema hohe Gesprächs- und Informationsbereitschaft der BP!

AUF hatte schon seit Jahren die Einrichtung unabhängiger Meßstationen gefordert, wozu jede Initiative von den etablierten Parteien abgelehnt wurde.

Auch große Mengen von Feinstäuben werden bei chaotischen Verbrennungsprozessen dieser Art freigesetzt. Feinstäube können je nach Größe bis in unsere Lunge und sogar direkt ins Blut eindringen - und Krebs, Immunstörungen, Diabetes und vorzeitigen Herztod verursachen. Zahlreiche Studien beweisen: Das Risiko steigt in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feinstaubkonzentration – und zwar bereits bei Werten unterhalb des EU-Grenzwertes von 20 ppm! Diese Stäube stammen nicht nur aus dem Verkehr, sondern zum größeren Teil aus Industrieanlagen („Hintergrundsbelastung“). Wenn unsere Stadt seit Jahren die Grenzwerte an der Kurt-Schumacher-Strasse nicht mehr einhalten kannn, dann besteht hier dringender Handlungsbedarf bezogen auf alle möglichen Emittenten in der Stadt.

Dr JooßDass beim Abfackeln die Gase rückstandslos verbrannt werden, und nur Wasserdampf und Kohlendioxidin die Luft gelangen ist nicht richtig.

Kohlendioxid ist ein farbloses Gas und damit im sichtbaren Licht unsichtbar. Wasserdampf erscheint bei hoher Dichte weiss bis hellgrau. Wenn schwarze Rauchfahnen auftreten, sind notwendigerweise andere Inhaltsstoffe im Abgas. Die Aussage von AUF Gelsenkirchen, dass es sich um eine unvollständige Verbrennung handelt, bei der Ruß und Feinstäube entstehen, ist richtig. Feinstäube unter 10 µm Größe können tief in die Lungen eindringen, bei unter 1 µm Größe sogar in die Blutgefäße.

Die entscheidende Größe bei Feinstäuben ist nicht ihre Masse, die verschwindend gering sein kann. Entscheidend sind die Partikelzahl und die mit geringerer Größe zunehmende spezifische Oberfläche. Diese ist in der Regel hoch reaktiv und insbesondere hydrophobe Stoffe, wie aromatische Kohlenwasserstoffe neigen dazu, an ihren Oberflächen zu adsorbieren. Insofern ist mit der Feinstaubemission aus unvollständiger Verbrennung die große Gefahr der Ausbreitung von Giftstoffen verbunden.

10 Antworten an BP und WAZ

Im Mai 2014 startete AUF Gelsenkirchen eine Aufklärungs- und Unterschriftenaktion unter dem Motto „Schluss mit dem Abfackeln bei BP! Wir brauchen saubere Luft zum Leben!“. Ein Flyer informierte sachlich über die Gefahren der Abfackelung für Umwelt und Gesundheit. Schnell kommen die ersten Unterschriften zusammen. Ebenso wie andere Medien wird auch die WAZ von AUF Gelsenkirchen informiert. Ausdrücklich bietet AUF an, bei Nachfragen jederzeit zur Verfügung zu stehen. Doch statt Nachfragen und sachlicher Darstellung der Argumente und Positionen von AUF erscheint am Samstag, dem 17. Mai 2014 – eine Woche vor der Kommunalwahl – ein groß aufgemachter Artikel mit einem Verriss der Aktion: „Das Wählerbündnis setzt auf falsche Argumente“. Zu einer Pressekonferenz von AUF sagt die WAZ ab – die zuständige Redakteurin sei erst am 2. Juni, eine Woche nach der Wahl, wieder erreichbar.

Dr KruseDr. Hermann Kruse, Toxikologe am Universitätsklinikum in Kiel / Schleswig-Holstein

Richtig ist, dass die Hauptemittenten der Gasfackeln Kohlendioxid und Wasser sind. Richtig ist aber auch, dass je nach Verbrennungsbedingungen u.a. auch polyzyklische Aromaten gebildet werden, welche krebserzeugend wirken wenn sie eingeatmet werden. Polyzyklische Aromaten sind Produkte der unvollständigen Verbrennung.

Die Ausführungen von Marc Schulte zur Benzolbelastung sind irreführend. Geht es hierbei um Benzolemissionen oder handelt es sich um Benzolimmissionen, die an den 5 punkten um das Werk herum gemessen wurden? Er wirft das das durcheinander.

An einem Punkt wurden erhöhte Benzolkonzentrationen festgestellt, später hätten diese nach Maßnahmen laut Werksangaben 2013 den Jahresgrenzwert um die Hälfte unterschritten, sagt Marc Schulte. Für die toxikologische Bewertung ist die Hergabe aller Emissionswerte und die Angabe von Hintergrundwerten notwendig. Als Hintergrundwerte bezeichnet man das, was man in Gebieten außerhalb des Werks findet.

Fest steht, dass Benzol als Krebsinitiator Leukämien (Blutkrebs) hervorrufen kann. Toleranzwerte gibt es nicht; es gilt das Minimierungsgebot. Notwendig sind Umgebungsluftkontrollen auf nicht nur Benzol, sondern auch auf Produkte der Fackelverbrennung außerhalb von Kohlendioxid und Wasser. Dazu zählen PAK, Nitoroaromate, Aldehyde wie Formalaldehyd - als Produkte der unvollständigen Verbrennung. Diese müssen der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Die Messungen müssen dort gemacht werden, wo die Menschen wohnen, also um das Werk herum und nicht nur an den Messstellen im Werk. Das sollte man nicht bagatellisieren.

Die ganze Geschichte ist dadurch gekennzeichnet, dass Daten aus der Umgebungsluft fehlen. Und die muss das Werk machen und zur Verfügung stellen. Aber für Benzol gibt es keine Toleranzen – auch wenn der offizielle Grenzwert unterschritten wird, ist ein Gesundheitsrisiko vorhanden.

„Schluss mit dem Abfackeln“ : vom 17.05.14

 Ich selbst arbeite seit über 30 Jahren in der chemischen Industrie. Warum werden  die berechtigten Sorgen von Anwohnern und Arbeitern nicht ernst genommen?
Die BP hat alles technisch Mögliche zu tun, für höchstmöglichen Gesundheitsschutz zu sorgen. – Das kostet natürlich Geld. Gerade in unserer Region ist die vielfältige Umweltbelastung hoch.

stefan-engelBP folgt der Leitlinie der Vereinbarkeit von Ökologie und kapitalistischer Ökonomie. Nach dieser Logik gibt es Umweltschutz nur wenn dabei die Profite stimmen. Angesichts der drohenden globalen Umweltkatastrophe ist dieses Handeln völlig unverantwortlich. Ohne Lösung der Umweltfrage gibt es keine Zukunft für die Menschheit!"

Stefan Engel wohnt seit 25 Jahren in Horst und ist Initiator der Aufklärungs- und Unterschriftenaktion „Schluss mit dem Abfackeln bei BP! Wir brauchen saubere Luft zum Leben!“. Er war 11,5 Jahre lang Sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften. Stefan Engel ist Kandidat im Wahlkreis Horst Süd und unter anderem Autor des Buches „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“. Bei der Ausarbeitung dieses neuen Buchs stieß er darauf, dass das Abfackeln der Begleitgase bei der Erdölförderung eine gigantische Vergeudung von Energieträgern bei gleichzeitiger Freisetzung von enormen Mengen Treibhausgasen ist. Was bei der Erdölförderung im großen Stil passiert, wird bei Raffinerien im kleineren Maßstab praktiziert - allerdings wie in Horst oder Scholven mitten in der Stadt und nahe an den Wohngebieten.

Einladung zur Pressekonferenz am Dienstag, 20. Mai um 11:30 Uhr

Mit großem Befremden haben wir Ihren Artikel „Schluss mit dem Abfackeln“ zur Kenntnis genommen. Klar: immer, wenn AUF ein heißes Eisen anpackt, gehen erst einmal die Tassen hoch und die getroffenen Hunde bellen. Dass sich die WAZ allerdings ohne jede adäquate Darstellung unserer Position für einen Lobbyisten-Artikel zugunsten der BP hergibt (hergeben muss?), ist sehr bedauerlich. Zumal wir sowohl im persönlichen Telefonat mit Herrn Laufs als auch in unserer Begleitmail ausdrücklich darauf hingewiesen hatten, dass Sie sich bei Rückfragen