Sechs Monaten benötigte die Verwaltungsspitze der Stadt, um zu beschließen, endlich das Gutachten von Prof. Swen Geiss den Bezirksverordneten und der Öffentlichkeit bekannt zu machen - und um sich bereit zu erklären, ein Nutzungskonzept für das Volkshaus zu erarbeiten. Die Bürgerbewegung im Stadtteil und die aktuell von AUF initiierte Bürgerversammlung haben sicher zu diesem Beschluß beigetragen. Dieses Gutachten ist wertvoll und es bestätigt das große Potential des Volkshauses, gerade auch im Rahmen einer Stadtteilerneuerung.

Leider rücken die Berichterstattung und auch manche Politiker einseitig die Kostenseite in den Vordergrund. Die Kostenabschätzung einer „Komplettsanierung von fast 100 Mio. Euro“ war ein Lapsus und wurde inzwischen um den Faktor 10 nach unten korrigiert. Aber auch diese Summe steht auf keiner soliden Grundlage. Es besteht eben ein großer Unterschied zwischen einer denkmalgerechten und behutsamen Sanierung und einer verantwortungslosen zerstörerischen Radikalsanierung - so wie sie beim Hans-Sachs-Haus praktiziert wurde: letztlich zwar mit gutem Ergebnis, aber mit enormen Kosten.

Bürgerversammlung am Fr. 13. Januar, 18 Uhr in der Gaststätte Onkel Hans, Karl-Meyer-Str. 53

Volkshaus RotthausenDas Rotthauser Volkshaus hat das Potential, wieder zu einem kulturellen und sozialen Zentrum des Stadtteils zu werden! Das machten viele Rotthauser Bürger, Vereine, Organisationen, Kulturschaffende deutlich, zuletzt beim „Testbetrieb Volkshaus“ im Mai 2016. Mit diesem Echo hatten die Veranstalter nicht gerechnet und wohl am wenigsten die SPD-Stadtspitze.
Eine Stellungnahme der Verwaltung dazu gibt es aber bis heute nicht. Obwohl das Gutachten von Professor Swen Geiss seit 4 Monaten vorliegt. Und obwohl inzwischen bereits an einem Konzept zur Stadtteilerneuerung Rotthausen gearbeitet wird. Das Volkshaus sollte eigentlich ein Leuchtturmprojekt der Stadterneuerung werden!

Verschlusssache Volkshaus?!

„Über 80 000 Euro hat die Stadt für das Gutachten ausgegeben. Offensichtlich passen die Ergebnisse aber nicht ins Konzept der SPD. Jetzt wird das Gutachten als Verschlusssache behandelt! Das ist ein Schlag ins Gesicht der vielen Bürger, die sich seit über zwei Jahren für eine Renovierung und Erneuerung engagiert haben, beim Runden Tisch und beim Testbetrieb Volkshaus“, so Dr. Willi Mast, AUF-Bezirksverordneter.

Am 2.5. startete der Testbetrieb Volkshaus Rotthausen mit dem „Tanz in den Testbetrieb“ - einem gut besuchten vielfältigen Musikfest mit neun Musikgruppen und Chören aus Rotthausen und Umgebung. Die Stimmung war prima, der Festsaal glänzte (fast) wieder im alten Glanz. Viele Besucher waren erstaunt, über welches verborgene kulturelle Potential der Stadtteil und seine Umgebung verfügt. Und viele Mitwirkenden freuten sich, ihre Fähigkeiten in einem so festlichen Rahmen zu präsentieren. Ein wunderbarer Auftakt für den Probelauf des Volkshauses...

Prof. S. Geiss hatte mit einer Arbeitsgruppe von Studenten in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche geführt und Treffen durchgeführt mit Rotthauser Vereinen, mit vielen Aktivisten und Kulturschaffenden aus dem Stadtteil und darüber hinaus. Dieses historische Bürgerhaus wieder zu einem sozialen und kulturellen Zentrum im Stadtteil zu machen - das war auch die Grundidee, mit der AUF Gelsenkirchen im Sommer 2014 erstmals zu einem runden Tisch Volkshaus eingeladen hatte - und mit der dann eine Arbeitsgruppe des Rotthauser Netzwerks aktiv wurde.

Volkshaus Rotthausen Ginge es nach dem Willen der Stadtspitze, wäre die Zukunft des Volkshauses schon besiegelt. Angeblich ist eine Renovierung unbezahlbar und selbst für die Saal-Beleuchtung reichen angeblich die Mittel nicht aus. Mit dem von AUF angeregten „Runden Tisch Volkshaus“ und mit der Diskussion im Rotthauser Netzwerk am 19. März konnte ein erster Durchbruch erzielt werden. Dort wurde von dem Bezirksverordneten Dr. Mast das Konzept der Arbeitsgruppe für die Erneuerung des Volkshauses vorgestellt. Die Renovierung soll jetzt zu einem Leitprojekt beim Stadtteil-Erneuerungsprogramm Rotthausen ab 2016!

Professor Roland Günter zur Bedeutung des Volkshauses bei 2. Runden Tisch

Sehr geehrte Damen und Herren, Mitstreiter und Mitstreiterinnen,

imagesdas Volkshaus ist einer wichtigsten historischen Orte der sozialen Bewegung. Die meisten Volkshäuser dienten nicht einer bestimmten Partei, sondern waren Einrichtungen für das gesamte Volk d. h. für jedermann. Dies hängt auch mit der Geschichte der Sozialdemokratie zusammen, die unter Bismarck weitgehend verboten war. Sie mußte verdeckt operieren – das hieß: sich als etwas allgemein Nützliches aufstellen, das man schwierig antasten konnte. So entstanden Mehrzweck-Gebäude. Der Kern war meist eine Gastronomie, oft mit einem großen Biergarten, und Säle für allerlei Veranstaltungen.