monika gaertner engel web"Größte Demo gegen rechts auf dem Heinrich König Platz" - so wurde noch am Samstag prophezeit (WAZ 7.4.18). Doch, oh Wunder, glatt daneben. Die Veranstaltung am Heinrich König Platz war nur mager besucht. Dafür wurde dann umso ausführlicher darüber berichtet. Nur einige dürre Zeilen war der WAZ die tatsächlich größte Demo/ Kundgebung wert: die der diesmal punktuell vereinigten Linken aus Die Linke, MLPD, DKP, Die Partei, VVN, Rebell, solid, einer ganzen Reihe "Einzelfalken" ("da oben isses langweilig") und vielen Einzelpersonen. Eigentlich ein Armutszeugnis für die Demokratische Initiative (DI). Sie umfasst mit den bürgerlichen Parteien, den Kirchen und Gewerkschaften Zehntausende Mitglieder. Schön, dass zum Protest aufgerufen wird. Doch wo bleibt die Mobilisierungskraft? Vielleicht sollte man mal über die mit Zähnen und Klauen verteidigten überheblichen Ausgrenzungsstrategien nachdenken: Die Linke darf nicht Mitglied sein in der DI und erst recht ist eine punktuelle Zusammenarbeit mit der MLPD Tabuthema. Merkt man denn gar nicht, dass das nicht mehr ankommt bei den Leuten? Dass immer mehr genug haben von den Phrasen? Dass der Vertrauensverlust tief ist? Bürgerlicher Antifaschismus ist immer noch gepaart mit Antikommunismus. Wenn sich die SPD gerade so wortgewaltig erneuert, dann sollte sie mal darüber nachdenken, ob hier nicht immer noch die Grundtorheit wirkt von der Thomas Mann sprach.

Es ist nicht das erste Mal, dass Politiker Ziel von fremdenfeindlichen Attacken werden – vor allem, wenn sie sich für Flüchtlinge engagieren. In einer Umfrage der Verwaltungszeitschrift "Kommunal" 2016 wird berichtet, dass fast jedes zweite Stadtoberhaupt wegen seiner Flüchtlingspolitik beschimpft wurde, in drei Prozent der Kommunen wurde auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsdiskussion gab es auch konkrete körperliche Übergriffe.

„Den Messerangriff auf Andreas Hollstein (CDU), Bürgermeister der Stadt Altena, verurteile ich aufs Schärfste, bekannt wurden faschistischen Äußerungen des Täters, das muss restlos aufgeklärt werden!

Im Namen des Kommunalwahlbündnisses AUF Gelsenkirchen (Alternativ Unabhängig, Fortschrittlich) spreche ich Andeas Hollstein die volle Solidarität aus und wünsche ihm alles Gute für seine Gesundheit“, so Martina Reichmann, AUF. „Auch unsere Stadrätin, Monika Gärtner-Engel, wurde mit Morddrohungen attackiert und der Aufforderung in Internetforen „Findet sie – tötet sie.“ Sie ist bekannt als glühende Internationalistin und mutige Kommunalpolitikerin. Sie hat mit vielen Flüchtlingen in unserer Stadt das Bleiberecht erstritten - gegen die rigide Anwendung der rückwirkenden Wohnsitzauflage. Sie stand mit in der ersten Reihe, als ausgerechnet am 1. Mai Faschisten der Partei „Die Rechte“ in unserer Stadt aufmarschieren wollten, was eine breite demokratische Initiative verhinderte.“

Gegen solche feigen Attacken sind wir herausgefordert, über Parteigrenzen hinweg zusammen zu stehen, gegen den Rechtsruck und für demokratische Rechte und Freiheiten, gegen Rassismus und Faschismus. Ich bin überzeugt, dass eine große Solidarität diese Ziele nach vorn bringen wird.

Solidarische Grüße im Namen von AUF Gelsenkirchen

Martina Reichmann

160624 Schüler und Lehrer vom Berufkolleg160624 Hr Rotthoff liest Stationen Heinrich KönigsHeute, am 24.6.2016, wurde zum Gedenken an das Wirken des Vikars Heinrich König ein Bild von Karl - Heinz Rotthoff im U-Bahnhof am Heinrich - König Platz enthüllt.
Es zeigt Stationen auf dem Leidensweg von Heinrich König, Vikar der Gelsenkirchener Propsteikirche und Präses der Kolpingfamilien. Seine Kritik an rassistischer und nationalistischer Hetze des NS- Regime führte am 30. September 1941 zu seiner Verhaftung wegen angeblich Wehrkraft zersetzender Äußerungen. Vom Gelsenkirchener Polizeigefängnis wurde er ins KZ Dachau überführt. Eine Operation zu Übungszwecken vollzog ein junger SS- Arzt an ihm. Nach einer absichtlich herbeigeführten Sepsis ( Blutvergiftung), durch Injektion von Eiter, starb er neun Tage später - am 24. Juni 1942.
Karl – Heinz Rotthoff las den Gästen aus eine Kurz- Biografie vor und verwies auf ihre Verarbeitung im Bild. Sichtlich bewegt waren auch die Schüler vom Berufskolleg, die den Rahmen des Bildes mit ihrem Lehrer geschaffen hatten. Allen Besuchern war klar: Lehren aus der Vergangenheit muss jeder für heute ziehen.
Heute wie damals heißt es: Keinen Fußbreit den Faschisten!

 

Morddrohung gegen unsere AUF-Stadtverordnete

Zum Sachverhalt: Am 30. September wurde im Internet zum Mord an Monika Gärtner-Engel aufgerufen. Sie ist Internationalismusverantwortliche des ZK der MLPD und Hauptkoordinatorin der revolutionären Weltorganisation ICOR. In Gelsenkirchen ist sie als Repräsentantin der MLPD, Ratsfrau und Kommunalpolitikerin von AUF bekannt und beliebt. Via Twitter wurde Monika Gärtner-Engel übel beleidigt, ein entstelltes und manipuliertes Foto von ihr verbreitet und zur Mordhatz gegen sie aufgerufen: „Findet sie = Tötet sie!“, hieß es auf Englisch. In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober wurden Bewohner eines Hauses in der Gelsenkirchener Hauptstraße über die Sprechanlage bedroht: „Ich bin dein Mörder! Ich komme heute Nacht!“ In dem Haus befindet sich der „Treff International“, der bekannt ist für seine vorbildliche Flüchtlingssolidarität, das Kreisbüro der MLPD und den fortschrittlichen Buch-, Kunsthandwerk- und Reiseladen „People to People“. In der Nacht zum 4. Oktober wurde ein Hetz-Aufkleber der neofaschistischen NPD an das Büro der MLPD geklebt. Es folgt die Solidaritätsadresse für Monika-Gärtner-Engel:

Grup YORUM LogoHerrn Bürgermeister Ulrich Roland, Gladbeck
Betreff: Anti-rassistisches Festival in Gladbeck
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Unser Wahlbündnis freut sich darüber, dass am 18. Juni in Gladbeck das anti-rassistische Festival 'EINE STIMME UND EIN HERZ GEGEN RASSISMUS' stattfinden soll, auf der auch die Musiker der „Group Yorum“auftreten werden.
Dieses Festival ein wichtiges Ereignis und es verdient volle Unterstützung durch die Stadt und die Öffentlichkeit - angesichts des Flüchtlingselends und des anwachsenden Rassismus in Deutschland - fast 1000 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte im letzten Jahr! - und auch angesichts der Politik der Erdogan-Regierung. Diese behandelt Anhänger der PKK und oppositionelle demokratische Kräfte wie die Abgeordneten der HDP und neuerdings sogar türkisch-stämmige deutsche Bundestagsabgeordnete – als Terrorosten oder Unterstützer des Terrors.